Dr. Weihs kleines orthopädisches Lexikon

DAS KNIE

Femurkondylen

Oberschenkelrollen innen und außen, die zusammen mit dem Schienbein (Tibia) das Kniegelenk bilden

Patella

Kniescheibe (größtes Sesambein des Menschen)

Retropatellar

Hinter der Kniescheibe

Peripatellar

Um die Kniescheibe herum

Innenmeniskus

Knorpelscheibe an der Innenseite zwischen Oberschenkelrolle und Schienbein, welches am Außenrand der Scheinbeinoberfläche befestigt ist und sich unterteilt in ein Vorderhorn, ein Mittelstück (Pars intermedia) und ein Hinterhorn.

Außenmeniskus

S-förmige Knorpelscheibe zwischen der Oberschenkelrolle und Schienbein, welches nur am Rand außen an der Schienbeinoberfläche befestigt ist und sich einteilt in ein Vorderhorn, Mittelstück und Hinterhorn

Fibula

Wadenbeinköpfchen

Vorderes Kreuzband

Das vordere Kreuzband verläuft jeweils wie die Hosentasche an der Seite, wo das vordere Kreuzband sitzt (rechts bzw. links). Es verläuft von hinten oben nach vorne unten und verhindert das Vorschlagen des Schienbeinkopfes gegenüber der Oberschenkelrolle, welches beide miteinander verbindet.

Hinteres Kreuzband

Das hintere Kreuzband verläuft genau umgekehrt wie das vordere Kreuzband und verhindert durch die Verbindung zwischen Schienbein und Oberschenkelrolle, daß das Scheinbein nach hinten fällt. Vordere Kreuzbandverletzungen sind wesentlich häufiger als hintere Kreuzbandverletzungen.

Angeborene Unterschenkelpseudarthrose

Falschgelenkbildung im Unterschenkel überwiegend im unteren Schienbeindrittel mit meist Ausbildung eines O-Beines wie auch eines überstreckten Unterschenkels oder X-Beines möglich

Bursitis präpatellaris

Entzündung des Schleimbeutels auf der Knieschiebe

Bursitis suprapatellaris

Entzündung des Schleimbeutels oberhalb der Knieschiebe

Bursitis infrapatellaris

Entzündung des Schleimbeutels unterhalb der Kniescheibe

Kontraktur des Kniegelenkes

Bewegungseinschränkung im Kniegelenk verschiedenster Ursachen z.B. durch Reiben zwischen Kniescheibenoberrückfläche und Oberschenkelvorderfläche

Chondropathia

Knorpelschmerz

Chondromalazia patellae

Knopelerweichungsschmerz hinter der Kniescheibe, häufig bei Frauen in der Pubertät

Genu recurvatum

Meist erworbene Überstreckbarkeit des Kniegelenkes, wenn angeboren dann häufig doppelseitig

Genu varum

O-Bein

Genu valgum

X-Bein

Hätten Sie´s gewusst?

Ein normal entwickeltes Bein im Wachstumsalter ist:
Säugling: O-Beine
mit 3 Jahren: ca. 10. Grad X-Beine
Schulalter: ca. 7. Lebensjahr physiologisch X-Bein valgus (5.-7.Grad),  Genus valgus

Gonarthrose

Kniegelenksverschleiß. Sie ist die häufigste Arthrose neben der Arthrose der kleinen Wirbelgelenke, im 30-50. Lebensjahr sind bereits bei 50% der Bevölkerung Arthrosezeichen zu sehen. Ab dem 70. Lebensjahr sind bei jedem Menschen arthrotische Veränderungen am Kniegelenk sichtbar. Sind alle drei Kniegelenksanteile innen, außen und hinter der Kniescheibe betroffen, spricht man von einer Pangonarthrose.

Kompartementsyndrom des Unterschenkels

Druckanstieg in den Muskellogen mit Störung der lokalen peripheren Durchblutung

Unhappy triad

Bezeichnung für eine kombinierte Innenband-, Innenmeniskus- und vordere Kreuzbandruptur

Plica mediopatellaris

An der Innenseite der Kniescheibe (Patella) verlaufende Schleimbeutelfalte, die nur dann bedeutend ist, wenn sie vernarbt und/oder überentwickelt (hypertrophiert) ist.

Meniskuserkrankung

Meniskusveletzung, fast 50% Hinterhorn des Innenmeniskus, Männer zu Frauen 2:1, Innenmeniskus häufiger als Außenmeniskus

 

Hätten Sie´s gewusst?

Man unterscheidet verschiedene Meniskusrisse:

  1. Längsriss
  2. Corpusriss
  3. Vorderhornlappenriss
  4. Hinterhornlappenriss
  5. Querriss
  6. Horizontalriss
Meniskusganglion

Ausbuchtung meistens am Außenmeniskus und vom Außenmeniskus ausgehend, Männer häufiger als Frauen

Morbus Ahlbäck (Femurrollennekrose)

Durchblutungsstörung des Knochens (Osteonekrose) an der Innenseite der Oberschenkelrolle (medialer Femurkondylus). Seltene Erkrankung bei älteren Patienten zwischen 60 und 70. Lebensjahr, Frauen häufiger als Männer

Morbus Osgood – Schlatter

Häufige in der Jugendform entstandene Durchblutungsstörung der Wachstumszone am Schienbeinvorsprung (Tuberositas tibiae), bevorzugt 10-14jährige sportlich aktive Jungen

Morbus Sinding Larssen – Johannson

Störung am unteren Schienbeinpol (distaler Patellapol), vor allem im Alter zwischen 10-14 Jahren

Osteochondrosis dissecans

Freier Gelenkkörper im Kniegelenk

Patellafraktur

Macht ca. 1% aller Brüche aus, überwiegend entstehen sie durch ein direktes Trauma, indem man auf die Kniescheibe stürzt. Mein teilt sie ein in: Quer-,Längs-, Schräg-, Stern- und Mehrfragmenttrümmerfrakturen sowie knöcherne Abrisse des oberen und unteren Poles.

Patellaluxation

Wiederholte, vor allem nach außen herausspringende Kniescheibe aus ihrem Gleitlager. Frauen häufiger als Männer. Erstmaliges Herausspringen der Kniescheibe (Erstluxation) meist vor dem 20. Lebensjahr

Patella partita

Angeborene geteilte Kniescheibe, wahrscheinlich durch eine Hemmungsfehlbildung. Über 90% Zweiteilung der Kniescheibe im oberen äußeren Quadranten der Kniescheibe. Es sind bis zu 6 Segmente (Tri-multi partita) möglich.

Poplitealzyste (z.B. Bakerzyste)

Benannt nach W.M. Baker (1839-1896 Chirurg in Londen). Meist flüssigkeitsgefüllter Hohlraum innen gelegen in Form einer Aussackung in der Kniekehle, die meist mehr oder weniger gefüllt ist. Die Zysten können sich auch in den Schleimbeuteln des Wadenzwillingsmuskels (Muskulus gastrognemicus), des M. semimembranosis oder Ausbuchtung der dorsalen Kniegelenkskapsel mit stielartiger Verbindung zum Kniegelenk (Baker-Zyste) ausbilden. Die Ursache liegt bei der Baker-Zyste meist in einem Verschleiß hinter der Kniescheibe (Femuropatellararthrose oder Retropatellararthrose) und/oder eines Meniuskusschadens/-riss.

Scheibenmeniskus

Über die Entwicklungszeit (Embryonalzeit) hinaus persistierende Scheibenform meist des Außenmeniskus (Hemmungsfehlbildung). Dieser neigt zu frühem Verschleiß.

Sogenannter Wachstumsschmerz

Gelegenheitsdiagnose, denn Wachstum verursacht keine Schmerzen. Schmerzen häufig dann bedingt, wenn die Knochen schneller als die Muskeln und Sehnen wachsen, und es dadurch zu einer Verkürzung der Muskeln und Sehnen mit konsekutiven Schmerzen kommen kann.

Sprunggelenksfraktur

Außenknöchelfraktur. Am häufigsten 2- oder 3-fache Sprunggelenksfrakturen (bi- und trimalläre Sprunggelenksfrakturen).
Die häufigste Einteilung ist nach Weber/Dannis:
Weber A: Außenknöchelfraktur unterhalb der Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein
Weber B: Fraktur in Höhe der Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein häufig mit Bandverbindungsverletzung (Syndesmosenverletzung)
Weber C: Fraktur oberhalb der Syndesmose (Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein) mit Syndesmosenverletzung.

Maisonneuve-Fraktur

Hohe Weber C Fraktur mit Läsion der Bandverbindung zwischen Schien- und Wadenbein (Membrana interossia)

 

Hätten Sie´s gewusst?

Nur bei Nichtfehlstellung von Knöchelfrakturen und fehlender Operationsmöglichkeit wird eine Operation nicht durchgeführt.

Synoviale Chondromatose

Gutartige, meist an einem Kniegelenk ablaufende Wucherung der Gelenkinnenhaut (die Tapete im Körper, Synovia genannt) mit Bildung freier Gelenkkörper, die später verkalken können. Die Ursache ist unbekannt, bevorzugt zwischen dem 20-40. Lebensjahr, Männer zu Frauen 2,5:1

Tibiakopffraktur

Scheinbeinkopffraktur innenseitig oder an beiden Kondylen innerhalb des Gelenkes kombiniert mit Verletzungen des Kapsel- Bandapparates im Kniegelenk.

Schienbeinschaftfraktur

Neben Sprunggelenks- und Schenkelhalsfraktur, häufigster Bruch an der unteren Extremität bei Erwachsenen

Tibia vara (Blount – disease)

Seltene Knorpelknochendurchblutungsstörung der oberen inneren Schienbeinwachstumszone, welches durch Wachstumsstörung zum O- Bein führt. Man unterscheidet eine infantile Form d.h. eine Form bis zum 3. Lebensjahr, dort ist sie in 65% doppelseitig, eine jugendliche Form d.h. juvenile Form 4-10. Lebensjahr oder eine Erwachsenenform ab 11. Lebensjahr, die wiederum in 20% doppelseitig ist.

Villonoduläre Synovitis

Erkrankung der Gelenkinnenhautmembram mit Wucherung der Gelenkinnenhaut, welche eine Gelenkzerstörung (Gelenkdestruktion) verursachen kann. Häufig im Erwachsenenalter zwischen 30-40 Jahren. Man unterscheidet eine Knötchenform, welche besonders die Extremität betrifft, seltener Gelenke, diese tritt eher akut auf. Bei der diffusen Form sind meist Gelenke der unteren Extremtität einseitig befallen, wobei das Knie häufiger als das Sprunggelenk und dies wiederum häufiger als das Hüftgelenk betroffen ist.

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